Angst ist mehr als ein Gefühl (Buch)


Das zweite Werk des Autors lädt den Leser ein, Ängste aus einem anderen, positiveren Blickwinkel zu betrachten.

Ist Angst eine Krankheit oder ein Warnsignal?
Wie kann die Angst mir helfen?
Angst als Chance, mehr Lebensfreude zu bekommen?

Roland Rosinus vertieft seine bisherigen Tipps durch neu gemachte Erfahrungen, zeigt Irrwege und Sackgassen auf und stellt das eigene „Ich“ mehr in den Mittelpunkt des Begreifens und Handelns. Hierzu „interviewt“ er die Angst, um bessere Erkenntnisse über den Sinn der Angst zu bekommen.

Leseproben


Vorwort des Autors 9
Grußwort von Doris Wolf 11
Wie alles begann… 12
Wie geht es mir heute? 15
Angst – ein paar Infos 16
Angst – ein Gedicht 19
Meine Sicht der Angst 20
Angst – Beispiele, Symptome und Abgrenzung 23
Ich kämpfe gegen die Angst, ich will sie besiegen… 26
Das Gespenst 29
Angstbewältigung? Fang endlich damit an! 31
Ich kann nicht – Die Hummel 34
Die 10 größten Irrtümer der Angstbewältigung 35
Ein Interview mit der Angst 38
Die Hitparade der guten Ratschläge 44
„Ich will krank sein“ – „Ich will wieder gesund werden“ 48
„Du siehst aber schlecht aus!“ 50
Smalltalk: „Man müsste mal wieder…“ 52
Menschen kommen, Menschen gehen 55
Gedankliche Scheingefechte 57
Panikattacken – Angriff aus heiterem Himmel? 61
Auf der Suche nach dem „richtigen“ Therapeuten 64
Stationäre Behandlung in einer psychosomatischen Klinik 69
Medikamente – ein spannendes Thema 84
Selbsthilfegruppen 88
Angst und Chatten 91
Das Lernbuch 93
Was wir von den Hunden lernen können 95
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft… Wo bin ich? Warum warten, bis es zu spät ist? 98
Der Speisesaal – mein ganz spezieller Freund 104
Flugangst oder: Eine ungewollte Angstübung 108
Energie – Energiegeber und Energieräuber 114
Das Gebet 124
Angst und Partnerschaft 126
Mit Angst umgehen – mehr Harmonie im Job 133
Herzensängste 137
Panikattacken und Joggen 142
Ernährung 145
Systematische Problemlösung 148
Wenn meine Erkältung reden könnte… 156
Hast du deinem Körper schon mal „Danke“ gesagt?
Was der Volksmund sagt 160
Vom Umgang mit Trauer und Tod 164
Tipps zur erfolgreichen Angstbewältigung 168
„Danke, Angst, dass du bei mir warst…“ 171
Hier gibt es Hilfe 172
Zum Abschluss wie geschaffen: „Sei zärtlicher zu dir selber“ 174
Literaturempfehlungen und Quellennachweis 175
Bisher vom Autor erschienen 179


Der Himmel kommt niemals dem zu Hilfe, der selbst nichts tut.
SOPHOKLES

Meine Sicht der Angst

Mein eigener Umgang mit der Angsterkrankung, viele Gespräche mit Betroffenen und ihren Angehörigen sowie meine Vorträge mit den anschließenden Diskussionen machten mir immer deutlicher, woran es bei der Angstbewältigung am meisten hapert: am Umsetzen des theoretischen Wissens über die Angst in die tägliche Praxis, also in das Handeln im Alltag. Viele „Angsthasen“ sind in der Regel sehr belesen, schauen sich Fernsehsendungen an, hören Vorträge, machen Entspannungskurse und dennoch: das Umsetzen der Theorie in die Praxis tut weh. Wenn da bloß nicht diese blöden und unangenehmen Symptome der Angst wären! Wir können uns aber nicht einbilden, all diese Verhaltensmuster, die über Jahre gereift sind, zögen sich einfach so zurück, nur weil wir jetzt plötzlich handeln wollen. Viele Betroffene halten immer noch mit der Angst hinter dem Berg. Sie schämen sich, sehen sich als die „Familienschande“, befürchten berufliche Sanktionen oder haben Bedenken, einfach nur abgestempelt oder verspottet zu werden. In diesen Worten können wir schon viele Lösungsansätze erkennen. Wir müssen nur genau hinschauen. Angst ausschließlich mit Medikamenten und einer Verhaltenstherapie, die sich rein mit den Angst auslösenden Situationen oder Orten beschäftigt, zu Leibe rücken zu wollen wäre in etwa so, als wollten wir Kirschen ernten, ohne vorher einen Baum gepflanzt zu haben.

Vielmehr wären ein paar konstruktive Fragen notwendig:

  • Was steckt hinter der Angst?
  • Bin ich in meinen Beziehungen glücklich?
  • Worin bestehen meine Bedürfnisse und Wünsche?
  • Stimmt meine Kommunikation? (Kann ich ausdrücken, was ich will oder nicht will, worin meine Bedürfnisse und Wünsche liegen?)
  • Mag ich meinen Beruf?
  • Gehen meine Mitmenschen mit mir so um, wie es meine Aura nach außen erlaubt?
  • Wie gehe ich mit mir selbst um?
  • Mag ich mich?
  • Mag ich auch meine negativen Eigenschaften?
  • Lebe ich mein eigenes Leben oder bin ich „fremdgesteuert“?
  • Mag ich mein Erscheinungsbild?

Wenn ich die Angst be-greifen will, wird es sehr hilfreich sein, mir Gedanken zu diesen Fragen zu machen. Viele Bücher und psychologische Ratgeber, die Tausende von Seiten füllen, könnten auf einen einzigen gemeinsamen Nenner gebracht werden: Wir wollen geliebt und anerkannt werden. Ist ja auch im Grunde in Ordnung so. Nur – wie stark verbiegen wir uns im Alltag, um dieses Ziel zu erreichen? Wie konform sind wir mit der Gesellschaft, unseren Chefs, unseren Freunden und Partnern, nur um geliebt zu werden? Wie schmerzlich ist es für uns, wenn sich jemand von uns abwendet, nur weil wir uns nicht so verhalten, wie der andere es möchte! Plötzlich spüren wir den Gegenwind, der uns ins Gesicht bläst! Sicher, das Leben besteht oft aus Kompromissen. Aber – wir entscheiden doch, ob ein Kompromiss faul ist oder konstruktiv! Und ist die Aussicht, geliebt zu werden, obwohl ich so bin wie ich bin, nicht wunderbar? Selbst wenn ein paar Menschen dann gehen – ich bin überzeugt, es werden dafür neue wichtige Menschen in dein Leben treten. Sei mutig und öffne dich für neue Erfahrungen! Vor allen Dingen: Sei ein bisschen netter zu dir selbst! In diesem Sinne möchte ich das Buch denjenigen widmen, die, im positiven Sinne, „die Schnauze voll haben“ und sich auf den Weg ins Abenteuer Leben begeben. Möge es ein kleiner Wegbegleiter bei dem Unterfangen sein, den Schritt von der Theorie in die Praxis etwas gangbarer zu machen.


Die Freundschaft mit sich selbst ist das Allerwichtigste.
Ohne sie ist keine Freundschaft mit einem anderen Menschen möglich.
ELEONOR ROOSEVELT

„Du siehst aber schlecht aus!“

Es gab Zeiten, da hat mich dieser Spruch völlig aus der Fassung gebracht. Gehört habe ich ihn meistens beim Small-Talk in der Fußgängerzone meines Heimatortes.

Wichtig wäre hier natürlich eine gewisse Differenzierung: war es die besorgte Anteilnahme und ehrliche Rückmeldung an einen anderen oder das achtlos ausgesprochene, oberflächliche „Ich sag halt mal eben was“? Das „Ich sag halt mal was“ erwartet in ganz seltenen Fällen überhaupt eine Antwort; es interessiert den Gesprächspartner ganz einfach nicht. Oder er möchte dadurch seinen Gegenüber verunsichern, um von sich selbst abzulenken. Letztlich sind solche Gespräche Energiespiele (siehe Kapitel Energie), bei denen der eine sich dadurch groß zu machen sucht, indem er den anderen klein macht und ihm dadurch (Lebens-) Energie abzapft. Hm – wie könnte ich reagieren? Zum Beispiel, indem ich solche Bemerkungen einfach ignoriere, weil ich ihren Sinn durchschaut habe. Ich könnte auch im Sinne des oben Gesagten lernen zu differenzieren, ob es der andere auch ehrlich meint. Und – das wäre die Übungspraxis – ich könnte trainieren, wie ich in entsprechenden Situationen kommunikativ reagieren kann. Nichts sagen mit einem Lächeln z.B. wäre auch Kommunikation. Entscheidend wäre, wie ich aus der Begegnung herauskomme, ohne dass es mir schlechter geht und ich tagelang darüber nachdenke, wieso ich jetzt so schlecht aussehe. Eben nicht runterziehen lassen! Eine weitere Feststellung habe ich gemacht, die mich schmunzeln ließ: Es kam schon mal vor, dass mir am Anfang der Fußgängerzone jemand im Vorbeigehen ein „Du siehst aber schlecht aus“ zuwarf und am Ende der Fußgängerzone jemand sagte „Man sieht dir richtig an, wie gut es dir geht“. Na ja – letztlich entscheide ich selbst; auf jeden Fall habe ich einen großen Anteil daran, wie gut ich aussehe und mich dabei fühle.

Sage dir jeden Tag mehrmals: „Ich sehe gut aus!“

Copyright © Roland Rosinus