Ratschläge


Ein kleiner Ratschläge-Ratgeber

Im Bereich der Angstbewältigung spielen Ratschläge eine wichtige Rolle. Sie können Mut machen, aber auch mutlos, sie können die Seele streicheln, aber auch verletzend sein…

Wer kennt nicht die Sprüche

»Ratschläge sind auch Schläge«
»Vor Ratschlägen wird gewarnt«
»Hören Sie nicht auf Ihre Nachbarin«
»Gut gemeint ist das Gegenteil von gut«

Ich glaube:  Die Ratschläge innerhalb von partnerschaftlichen Beziehungen, von Eltern zu (erwachsenen) Kindern, von (erwachsenen) Kindern zu Eltern, von Freund(in) zu Freund(in), von Arbeitskollegen(in) zu Arbeitskollegen(in) sind grundsätzlich gut gemeint.

Motivation für Ratschläge

…Bedürfnis, zu helfen
…Ausdruck der eigenen Hilflosigkeit

aber auch

…genervt sein
…nicht zuhören können
…nicht verstehen (können und wollen)

Was hilft? Was nervt?

Ich habe auf meiner Website über einen Zeitraum von fünf Jahren abstimmen lassen, welche Ratschläge/Einsichten wirklich weiter helfen und welche einfach nur nerven. 2.119 Besucher haben mitgestimmt.

Die wirklich guten Tipps

TOP TEN

  1. Fachliche Hilfe annehmen 18,41 %
  2. Sich seinen Ängsten stellen 11,56 %
  3. »Nein!«-sagen lernen 10,48 %
  4. Angstübungen durchführen 9,41 %
  5. Nicht (nur) reden, sondern handeln 8,87 %
  6. Netter sein zu sich selbst 8,83 %
  7. Sein Leben selbst bestimmen 7,93 %
  8. Seine Ängste nicht als Feindin sehen 6,99 %
  9. Nicht so sehr auf Anerkennung aus sein 6,99 %
  10. Vertrauen lernen 4,84 %
  11. 5,69 % Einzelmeldungen

Die Tipps, die nichts bringen

TOP TEN

  1. Du musst nur wollen 25,96 %
  2. Reiß Dich zusammen 18,62 %
  3. Du hast doch alles: Frau, Auto, Kinder 11,42 % * sagen sich viele auch selbst
  4. Das wird schon wieder 10,11 %
  5. Lass Dich nicht so gehen 9,02 %
  6. Alles wird gut 8,44 %
  7. Geh mal zu Arzt YZ 5,02 %
  8. Probier’s mal mit Melissen-Tee 4,07 %
  9. Das wird mal böse enden mit Dir 4,07 %
  10. Wenn…, verlasse ich Dich 3,76 %

Wenn ich nach Lösungen gefragt werde, fällt mir keine Pauschallösung ein. Lösungen sehe ich aber darin, einfache Grundsätze der Kommunikation zu beachten.

Nach meiner Wahrnehmung gibt es immer weniger Menschen, die gut zuhören (können). Wenn sich ihnen jemand anvertraut, »fegen« sie direkt nach dem zweiten, spätestens dritten Satz ins Gespräch und geben – ohne zu Ende zuzuhören – direkt ihre Ratschläge. Ob gewollt oder nicht gewollt! Das vermittelt dem Problembesitzer: »Ich werde nicht ernst genommen.« Eine mögliche Lösung bestünde für ihn darin, ein »Bauchgefühl« dafür zu bekommen, wem ich mich anvertraue und konkret mitzuteilen, welche Erwartungen ich an das Gespräch habe: Will ich mich mitteilen oder will ich einen Ratschlag? Voraussetzung eines guten Gespräches ist auch eine stimmige Beziehung. Hüten Sie sich vor Menschen, die mit »Gesprächszerstörern« arbeiten. Sie haben nicht nur kein Interesse an einem Gespräch mit Ihnen, sie rauben Ihnen auch noch Energie.

Ein gutes Gespräch entsteht in der Regel immer dann, wenn sich der Zuhörer ehrlich auf das Gespräch einlässt, seinen Gesprächspartner nicht von oben herab schulmeisterlich behandelt und genau darauf achtet, ob der Gesprächspartner überhaupt einen Ratschlag will. Die meisten Gesprächspartner fühlen sich gut verstanden, wenn der Zuhörer »aktiv« zuhört und z. B. zurückmeldet, was er verstanden hat.

Das Zuhören hat aber auch für einen guten Zuhörer seine Grenzen, insbesondere wenn sich der Mitteilende z. B. in einem Kreislauf befindet und dies trotz Hinweis nicht erkennen will.

Copyright © Roland Rosinus