10 Irrtümer der Angstbewältigung


  1. »Hilfe kann es nur von außen (Bekannte, Freunde, Arbeitskollegen, Ärzte, Bücher, Kurse) geben.«
    Die Betonung liegt auf nur; ohne Mithilfe des Betroffenen läuft gar nichts.
  2. »Angstfrei leben…«
    … wird es nie geben, denn die gesunde Angst hat eine Schutzfunktion. Sie schützt uns vor unüberlegten Handlungen und lässt uns in Gefahrensituationen durch hormonell bedingte körperliche Reaktionen besser reagieren.
  3. »Ich muss die Angst bekämpfen, besiegen, sie so schnell wie möglich wieder loswerden. Angst ist eine Plage …«
    Was dann fehlt, ist die Akzeptanz und das Verstehen der Angst; ich werde dann die Ursachen, das Entstehen der Angst nicht finden.
  4. »Die Angst ist mein größter Feind.«
    Die Angst ist meine beste Freundin, wenn ich ihr zuhöre und ihre Ratschläge und Warnsignale befolge.
  5. »Wenn es mir erst wieder besser geht, dann tue ich was …«
    Dann wartest du noch in 20 Jahren vergebens; du sollst etwas tun, obwohl es vielleicht manchmal weh tut.
  6. »Was soll ich tun, ist alles Veranlagung… Ich kann nichts tun, mein Arzt sagt, das liegt in den Genen.«
    Vieles ist Veranlagung, vieles liegt in den Genen, aber nicht alles. Mit einer solchen Aussage gebe ich auf. Ich suche nach einer Rechtfertigung, damit ich selbst bloß nicht zu handeln brauche. Ich gebe meine dringend notwendige Selbstverantwortung ab.
  7. »Ich nehme bis zu meinem Lebensende Medikamente; dann geht es mir gut.«
    Auch hier gebe ich ein Stück meiner Selbstverantwortung ab. Eine differenziertere Auseinandersetzung mit diesem Thema ist zwingend notwendig.
  8. »Psychopharmaka sind gut verträglich, machen nicht abhängig und haben keine Nebenwirkungen.«
    Es gibt Menschen, die Psychopharmaka gut vertragen, andere wiederum nicht. Der Aussage, sie hätten keine Nebenwirkungen, glaube ich einfach nicht.
  9. »Wenn ich nach langer Zeit wieder eine Phase der vermehrten Angst habe, war alles umsonst und ich muss von vorne anfangen.«
    Es kommt darauf an, wie ich mit Stillständen und Rückschritten meiner Angstbewältigung umgehe. Ein Rückschritt kann zum Rückfall werden, wenn ich ihn dazu mache. Ansonsten ist ein Rückschritt – wie das Wort schon sagt – ein Schritt zurück, nicht mehr. Gehe möglichst schnell wieder ein paar Schritte vor. Möglicherweise überprüft die Angst deine Angstfestigkeit, besser gesagt: wie weit du schon bist.
  10. »Es gibt keine Hoffnung mehr für mich. Angst ist mein Schicksal. Ich kann nicht mehr, ich gebe auf.«
    Lies hierzu die Geschichte mit den zwei Fröschen. Wenn du aufgibst, bringst du dich um deine Bestimmung, deine Lebensaufgabe.

Die Geschichte von den zwei Fröschen

Zwei neugierige Frösche fielen auf einem Bauernhof in einen Eimer mit frischer Molke. Alle Versuche, den Rand zu erklimmen und den Eimer zu verlassen, schlugen fehl. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als um ihr Leben zu schwimmen.

Die Zeit verging. Bald darauf sagte der eine Frosch: »Aus, es hat keinen Sinn, ich gebe auf!« Er stellte seine Bemühungen ein und ertrank. Der andere war darüber zwar sehr traurig, sagte sich aber immer wieder: »Solange mich meine Schenkel tragen und Kraft haben, gebe ich nicht auf.« Er schwamm weiter…

Und seine Ausdauer sollte schon bald belohnt werden. Nach einer Weile hatte er aus der Molke Butter geschlagen und konnte bequem aus dem Eimer aussteigen. Sein Wille und seine Hoffnung hatten ihn gerettet.

Copyright © Roland Rosinus